Review of Sabine Jagodziński, Die Türkenkriege im Spiegel der polnisch-litauischen Adelskultur. Kommemoration und Repräsentation bei den Żółkiewski, Sobieski und Radziwiłł

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Review of Sabine Jagodziński, Die Türkenkriege im Spiegel der polnisch-litauischen Adelskultur. Kommemoration und Repräsentation bei den Żółkiewski, Sobieski und Radziwiłł
  ZitierhinweiscopyrightSrodecki, Paul: Rezension €ber: Sabine Jagodzi•ski, DieT€rkenkriege im Spiegel der polnisch-litauischen Adelskultur.Kommemoration und Repr‚sentation bei den Zƒ„kiewski, Sobieskiund Radziwi„„, Ostfildern: Thorbecke, 2013, in: Zeitschrift f€rOstmitteleuropa-Forschung (ZfO), 64 (2015), 3, S. 423-425,http://recensio.net/r/f3e7d7b1409041f9973bc52dd07f2012First published: Zeitschrift f€r Ostmitteleuropa-Forschung (ZfO), 64(2015), 3Dieser Beitrag kann vom Nutzer zu eigenen nicht-kommerziellenZwecken heruntergeladen und/oder ausgedruckt werden. Dar€berhinaus gehende Nutzungen sind ohne weitere Genehmigung derRechteinhaber nur im Rahmen der gesetzlichenSchrankenbestimmungen (…… 44a-63a UrhG) zul‚ssig.   Besprechungen und Anzeigen Zeitschrift für Ostmitteleuropa-Forschung 64 (2015) H. 3 423sion u.a. auch in Schlesien vermisst Christian-Erdmann Schott den unmittelbaren Objekt- bezug. 1  Die in dem vorliegenden Band an Bildquellen erbrachten Nachweise einer ausge- prägt visuellen Kultur des Konfessionalisierungszeitalters bieten daher grundlegende Vor-aussetzungen für weitere inhaltliche Auseinandersetzungen. Vor allem tragen die Projekt-ergebnisse zu einer zunehmenden kunstwissenschaftlichen Erschließung von wenig  bekannten, für einen breiten Forscherkreis relevanten materiellen Kunstgegenständen und ihrer historischen wie auch forschungsgeschichtlichen Kontexte im östlichen Europa bei. Auf dieser Basis wäre die Ausweitung vergleichbarer Fragestellungen auch auf Kunstge-schehnisse bis in die nordöstlichen Regionen Europas denkbar. Der Blick beispielsweise auf Livland, wo sich nach frühen und heftigen reformatorischen Bilderstürmen eine durch-aus bildfreudige lutherische Glaubenspraxis etablierte 2 , könnte den Kernaussagen des Ban-des zusätzlichen Nachdruck verleihen. Marburg Agnese Bergholde 1  C HRISTIAN -E RDMANN S CHOTT : Rezension von J ENS B AUMGARTEN : Konfession, Bild und Macht. Visualisierung als katholisches Herrschafts- und Disziplinierungskonzept in Rom und im habsburgischen Schlesien (1560-1740), München – Hamburg 2004, in: sehepunkte 5 (2005), 9, URL: http://www.sehepunkte.de/2005/09/5540.html (15.08. 2014). 2  S ERGIUSZ M ICHALSKI : „Hölzer wurden zu Menschen“. Die reformatorischen Bilderstür-me in den baltischen Landen zwischen 1524 und 1526, in: M ATTHIAS A SCHE ,   W ERNER B UCHHOLZ  (Hrsg.): Die baltischen Lande im Zeitalter der Reformation und Konfessio-nalisierung, Teil 4, Münster 2012, S. 147-163. Sabine Jagodzi ń ski: Die Türkenkriege im Spiegel der polnisch-litauischen Adelskul-tur. Kommemoration und Repräsentation bei den  ó ł kiewski, Sobieski und Radziwi łł . (Studia Jagellonica Lipsiensia, Bd. 13.) Thorbecke. Ostfildern 2013. 258 S., Ill., graph. Darst. ISBN 978-3-7995-8413-5. (€ 49,–.)   Im Zentrum der vorliegenden kunsthistorischen Studie steht die erinnerungskulturelle Aufarbeitung der Türkenkriege durch den polnisch-litauischen Hochadel in der Frühen  Neuzeit, vornehmlich im 17. und 18. Jh. Als räumliches Untersuchungsfeld wählte Sabine Jagodzi ń ski die im östlichen Roztocze gelegene Ortschaft  ó ł kiew. 1597 von Sta-nis ł aw  ó ł kiewski, dem Feldhetman der Krone Polen, gegründet, wechselte das Städtchen als adelige Residenz innerhalb der nächsten 150 Jahre unter den eng miteinander ver-wandten Magnatengeschlechtern  ó ł kiewski, Sobieski und Radziwi łł  mehrfach den Besit-zer. Die zentralen Fragen der Arbeit formuliert J. wie folgt: „Welche visuellen Formen und Strategien der Kommemoration der osmanischen Expansion verfolgen die fokussierten Re- präsentanten jeweils angesichts der mehr oder weniger akuten Bedrohung durch den Feind aus dem Osten und die Konfrontation mit ihm? Wie und mit welchen Zielen konstituieren sich diese Strategien in  ó ł kiew und wie außerhalb? Welche Funktion hatten kommemo-rative und repräsentative Maßnahmen für die Identitätsbildung und Selbstdarstellung der Adelsgeschlechter bzw. der Adelsgesellschaft? Welche Paradigmenwechsel oder Bedeu-tungsverschiebungen erfuhren die Medien des kulturellen Gedächtnisses der  ó ł kiew-ski(s), Sobieski(s) und Radziwi łł (s)? Wie vollzog sich der Übergang von unmittelbarer, er-fahrener zu schließlich mittelbarer, erinnerter Vergangenheit der osmanischen Expan-sion?“ (S. 8) Bei der Beantwortung der hier aufgeworfenen Fragen zielt J. hauptsächlich auf die thematische Aufarbeitung der „gedächtnisbildenden Reaktionen auf die generelle und jeweils konkrete Bedrohung bzw. Auseinandersetzung Polens mit dem Osmanischen Reich gerade auch unter den Gesichtspunkten der Dynamik und Ambivalenz“ ab und stellt nicht „die Stereotypenforschung in den Mittelpunkt“ (S. 7). Dabei knüpft die Vf. u.a. an   Besprechungen und Anzeigen Zeitschrift für Ostmitteleuropa-Forschung 64 (2015) H. 3  424die Gedankengänge von Otto Gerhard Oexle an, wonach sich ein Adelsgeschlecht vor allem durch die Erinnerungskultur konstituiert. Das Buch gliedert sich in vier Kapitel. Einer etwas knapp gehaltenen Einleitung (S. 7-16) folgen im ersten Kapitel – ebenfalls recht konzise gehalten – einige grundlegende In-formationen zu dem Adelssitz  ó ł kiew, seinem Erbauer Stanis ł aw  ó ł kiewski, dem Bau der für die Kommemoration rund um das Schlachtengedächtnis  ó ł kiewskis so essenziel-len Pfarrkirche und den Messen anlässlich des Jahrestags der Schlacht. Eine frühe Form der memoria  um  ó ł kiewski liefert die 1611-1618 gemalte Schlachtendarstellung von Szy-mon Boguszowicz, die den Sieg des Feldhetmans gegen ein moskowitisches Heer bei Klu-šino im Jahre 1610 zeigt. Kapitel 2 geht sodann gezielt auf die im Zusammenhang mit  ó ł -kiewskis Tod bei  u  ora 1620 von seiner Familie in  ó ł kiew sorgsam errichtete memoria  als emsiger Bekämpfer der Osmanen und Tataren sowie als Verteidiger der  patria ein. J. stellt dabei heraus, dass  ó ł kiewskis Nachkommen „das Gedenken an die Todesumstände“ des Hetmans „für wesentlicher als etwa das Gedenken seiner großen Siege“ erachteten.  ó ł kiewski habe hierbei als „Gründungsopfer für die Türkenkriegskommemoration in  ó ł kiew“ gedient, was wiederum zeige, „dass sich mit der Zeit das ursprüngliche Totenge-denken an die Person zu einem Gedenken an die Schlacht als Ereignis wandelt(e), woraus sich dann Erinnerungsgemeinschaften formieren“ konnten. Am Beispiel  ó ł kiewskis und seiner Residenz wird laut J. deutlich, wie „eine ursprünglich persönliche und kollektive  Niederlage [bei  u  ora] ungeachtet der negativen Fakten als erinnerungswürdiger Gegen-stand positiv ins kollektive Gedächtnis eingehen“ konnte (alle Zitate S. 45). Kapitel 3 und 4 behandeln die Fortentwicklung bzw. das Nachleben  ó ł kiews als ein adeliger Erinnerungsort der Türkenkriege unter den Sobieskis und Radziwi łł s, den Nach-folgern der  ó ł kiewskis als Besitzer des Residenzstädtchens ab der zweiten Hälfte des 17. Jh. Vor allem unter Jan Sobieski wurde  ó ł kiew als Lieblingsresidenz des späteren polni-schen Königs zu einem „Brennpunkt“ (S. 48) der Türkenkriegskommemoration. Sobieski ließ das Schloss wie auch die Pfarrkirche um zahlreiche memoriale Objekte wie Schlach-tengemälde, Trophäen, Votivgaben, Grabmäler und Paramente erweitern. Auch nach dem Übergang der Residenz von den Sobieskis an die Radziwi łł s, so kann die Vf. eindrucksvoll nachzeichnen, wurde die Türkenkriegskommemoration in  ó ł kiew zumindest unter Micha ł  Kazimierz und Karol Stanis ł aw bis weit ins 18. Jh. hinein gepflegt. Leider fehlt der Monografie wenigstens eine historische Karte, die dem deutschen Leser das selbst in Polen – zumindest wenn es um seine geografische Verortung geht – recht we-nig bekannte, heute in der Westukraine gelegene  ó ł kiew und seine exponierte Lage an der östlichen Peripherie des Königreichs Polen gerade im Hinblick auf die Bedeutung der drei hier thematisierten Geschlechter und ihrer Verbindung mit den polnisch-litauischen Türken-, Tataren- und Moskowiterkriegen der Frühen Neuzeit hätte etwas näher bringen können. Wünschenswert wäre auch eine detaillierte Unterscheidung und Gegenüberstel-lung der adeligen Erinnerungskulturen der polnisch-litauischen Magnatengeschlechter (zu denen ja die hier behandelten Familien eindeutig zählten) und des Gros des polnischen Kleinadels gewesen. Hier gab es nach der Konstituierung der  Rzeczpospolita Obojga  Narodów im Jahre 1569 eine bis weit ins 18. Jh. reichende tiefe Rivalität zwischen dem Kleinadel und den Magnaten, die sich u.a. in der durch das Instrument der Repräsentation manifestierten erinnerungskulturellen Abschottung vor allem seitens der Magnaten zeigte. Interessant wäre auch ein hier leider nicht vorgenommener Vergleich der polnischen Tür-kenkriegsmemoria und -kommemorationen mit weiteren europäischen, eng mit den Tür-kenkriegen der Frühen Neuzeit verflochtenen adeligen Erinnerungskulturen, so etwa mit den ungarischen, österreichischen, kroatischen oder venezianischen, gewesen, weisen sie doch allesamt ähnliche Elemente auf. Zwar wird diese vergleichende Perspektive in dem Band nicht realisiert. Doch sorgen die gründliche Aufarbeitung der durch die osmanische Expansion in der polnisch-litaui-schen Adelsrepublik entstandenen vielfältigen Zeugnisse der künstlerischen, zeremoniellen und materiellen Kultur (Schlachtengemälde, Trophäenstiftungen, Sammlungen und Prä-   Besprechungen und Anzeigen Zeitschrift für Ostmitteleuropa-Forschung 64 (2015) H. 3 425sentationen erbeuteter osmanischer und tatarischer Waffen) wie auch das ausgezeichnete Bildmaterial im Anhang (24 Tafeln) bei der Lektüre für eine mehr als gelungene Visuali-sierung der für den hier behandelten zeitlichen und geografischen Rahmen identitätsstif-tenden Prozesse hochadeliger Erinnerungskultur. Zudem gelingt es der Vf. recht gut, die eingangs formulierten Fragen zu beantworten und aufzuzeigen, „dass sich in  ó ł kiew vom  beginnenden 17. Jahrhundert bis zum Anfang, spätestens bis zur Mitte des 18. Jahrhun-derts ein Kommemorationsort der osmanischen Expansion und ihrer Bekämpfung voll ent-faltet hat“ (S. 149). Insgesamt jedenfalls stellt die vorliegende Studie einen wichtigen Bei-trag zur Erforschung ostmitteleuropäischer Erinnerungskultur dar und eröffnet neue Per-spektiven, die zu weiterführenden Forschungen anregen können. Fernwald Paul Srodecki  Der Osten des Ostens.  Orientalismen in slavischen Kulturen und Literaturen. Hrsg. von Wolfgang Stephan Kissel. (Postcolonial Perspectives on Eastern Europe, Bd. 1.) Lang. Frankfurt am Main u.a. 2012. 467 S. ISBN 978-3-631-61872-1. (€ 69,95.) Der Titel des Bandes kommt sehr unprätentiös daher und verrät auch nicht auf den ers-ten Blick, welches Anliegen hier verfolgt wird. Es geht nämlich nicht einfach darum, „Ori-entalismen in slavischen Kulturen und Literaturen“ lediglich aufzulisten und anhand von ausgewählten Beispielen darzustellen. Wie der Hrsg. Wolfgang Stephan Kissel in seiner ausführlichen Einleitung zeigt, sollen Strukturen und Grundmuster von Wechselbeziehun-gen, In- und Exklusionen, Identitäten und Alteritäten aufgewiesen werden, und die verglei-chende Betrachtung der unterschiedlichen Orientalismen dient hierzu als Mittel. Literaturwissenschaft wird hier also durchweg als integraler Teil einer Kulturwissen-schaft aufgefasst. Dieses Grundverständnis von Literaturwissenschaft, hier speziell der Slawistik, eint alle Beiträgerinnen und Beiträger dieses Bandes. Die Untersuchung literari-scher Werke soll nicht auf das Verständnis werkimmanenter Prozesse beschränkt bleiben. Vielmehr ist das Ziel, durch die Betrachtung ausgewählter literarischer Werke nicht nur die Werke selbst, ihre Autoren und ihre Zeit zu begreifen, sondern diese Werke auch als Zeugnis bestimmter gesellschaftlicher Prozesse und Strukturen zu verstehen. Das literari-sche Werk wird somit zu einer wichtigen Quelle des Kulturwissenschaftlers, an dem sich – so der hier vertretene Ansatz – zentrale gesellschaftliche Strukturen und Prozesse wie in einem Brennglas zeigen lassen. Hinter diesem Vorgehen liegt die Idee, nach Ordnungsfaktoren und Grundkonstellatio-nen hinter der vordergründigen Ereignisebene zu suchen. Für den Hrsg. ist das Konzept des Orientalismus ein solcher Ordnungsfaktor, mit dem sich Grundstrukturen von Wech-selbeziehungen beschreiben lassen. Somit geht es hier auch nicht um eine Kritik oder eine Würdigung des Konzepts Orientalismus, sondern um die Prüfung seiner Anwendbarkeit für das genannte Ziel. Dabei ist zwischen Orientalismus als prinzipielles Konzept im Ge-folge von Edward Said und einer Vielzahl von Orientalismen in den einzelnen untersuch-ten Kulturen zu trennen: Die Anwendung des Grundprinzips des Orientalismus in den Li-teraturen und Kulturen des östlichen Europa führt zu einer Vielzahl von sich überschnei-denden, wenn nicht sogar sich widersprechenden Perzeptionen. Das östliche Europa ist so-mit nicht lediglich Objekt von Orientalisierungskonzepten vorzugsweise aus weiter west-lich gelegenen Ländern und Kulturen, sondern stellt sich als Großregion dar, in der eine Vielzahl von Kulturen als Subjekte mit eigenen Orientalisierungsvorstellungen agieren: Das bedeutet eine wichtige Erweiterung einer im deutschen Kulturraum immer noch allzu häufig anzutreffenden Perspektive, in der zwar viel vom östlichen Europa als dem Anderen der westlichen Kultur die Rede ist, aber wenig über parallele Prozesse in der Region selbst gesprochen wird. Implizit handelt es sich bei dem hier vorgelegten Band auch um ein Panorama kultu-reller Beziehungen und Beziehungsmuster im östlichen Europa. Diese Lesart des Bandes ist möglich, wird vom Hrsg. aber nicht forciert, und das aus gutem Grund: Zwar lässt sich
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