Drei Theater und ein Heiligtum: Aspekte von Kult und Ritus am Beispiel der römischen Theater von Augst. Forschungen in Augst 50

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Bereits seit 1903 ist bekannt, dass in Augusta Raurica drei einander ablösende römische Theaterbauten existierten, die in axialem Bezug zu einem auf dem gegenüberliegenden Hügel erbauten Tempel standen. Die jüngsten Auswertungsresultate zeigen, das
  Forschungen in Augst 50 Thomas Hufschmid (Red.) Theaterbauten als Teil monumentaler Heiligtümer in den nordwestlichen Provinzendes Imperium Romanum:Architektur – Organisation – Nutzung Internationales Kolloquium in Augusta Raurica, 18.–21. September 2013Auditorium Römerstiftung Dr. René Clavel,Augst-Kastelen  Augst 2016 Forschungen in Augst 50 Thomas Hufschmid (Red.) Theaterbauten als Teil monumentaler Heiligtümer in den nordwestlichen Provinzen des Imperium Romanum: Architektur – Organisation – Nutzung Internationales Kolloquium in Augusta Raurica, 18.–21. September 2013 Auditorium Römerstiftung Dr. René Clavel, Augst-Kastelen   245 In: Th. Hufschmid (Red.), Theaterbauten als Teil monumentaler Heiligtümer. Forschungen in Augst 50 (Augst 2016) 245–252.    Jean-Yves Marcs Ruf nach einer generellen römischen Archäologie, die von der Küste Nordafrikas bis zum Hadrianswall und von Lusi-tanien bis zur Oasenstadt Palmyra reicht (Marc 2014, 42 f.), unter-stützen wir vollumfänglich. Gleichzeitig halten wir jedoch an der Bedeutung geografisch, klimatisch und politisch bedingter Regio-nalitäten fest, die aufgrund konstanter Kulturtransfer-Prozesse zur Erscheinung hybrider «lokal-römischer» Ausprägungen geführt hat. Diese regionalen Entwicklungen römischer Kultur, wie beispiels-weise diejenige von Palmyra oder der Nabatäer, brauchen aber ei-ne Benennung und in diesem Sinne legitimiert sich u. E. für die in diesem Band behandelten Fragen der Begriff «gallo-römisch» und im Besonderen der Terminus des «gallo-römischen» Theaters. – Als erhellende deutschsprachige Ergänzung zu J.-Y. Marcs flam-mendem Credo ist in jedem Fall Tilmann Becherts Einleitung zu seinem zusammenfassenden Werk über die römischen Provinzen zu empfehlen (Bechert 1999, 5 ff.). Die Lektüre macht rasch deut-lich, dass die bei Marc 2014 geschilderten Probleme nicht nur die französische Archäologiegeschichte widerspiegeln. Auch Hans Ul-rich Nubers Beitrag im «Neuen Pauly» verdeutlicht, dass die von  J.-Y. Marc geschilderte Situation über die Grenzen der Grande Na-tion hinausreicht, auch wenn hier die «Provinzialrömische Ar-chäologie» just in der von J.-Y. Marc und T. Bechert zu Recht kriti-sierten engen (auf die nordwestlichen Provinzen beschränkten) Auslegung vorgestellt wird (Nuber 2002). 5 Ansätze dazu finden sich verschiedentlich bereits in Publikationen, die sich mit dem Kaiserkult auseinandersetzen, vgl. etwa Étienne 1985; Van Andringa 2002, 71 ff.; 87 ff. Zusammenfassend zu Augst: Hufschmid 2009, 177 ff. Theater und Heiligtum – Theater im Heiligtum Szenische Theater und Amphitheater wurden in der ein-schlägigen Literatur oft als reine «Vergnügungsbauten» dar-gestellt, in denen Spiele ausschliesslich zur Unterhaltung und Zerstreuung der Bevölkerung stattgefunden hätten. Die-ser Deutung steht der – schon längst bekannte – enge Zu-sammenhang von Theaterbauten und Heiligtümern in der römischen Kultur entgegen: Zahlreiche literarische und epi-graphische Quellen und vor allem auch urbanistisch-archi-tektonische Befunde zeigen, wie eng Tempel und Theater miteinander verknüpft waren. Speziell aus den nordwestli-chen Provinzen des Imperiums sind diverse Baukomplexe bekannt, in denen Theater/Amphitheater und Tempelan-lagen innerhalb monumentaler Sakralkomplexe eine enge Verbindung eingingen 3 . Zudem haben im genannten Ge-biet die Theaterbauten, welche diesen Monumentalanlagen angefügt sind, zumeist die Form des sogenannten «gallo-römischen» Typus, der aufgrund seiner architektonischen Besonderheiten schlecht für klassische Bühnenaufführun-gen geeignet war 4 . Seit Jahrzehnten beschäftigt daher die wiederkehrende Frage die Forschung, wie und wofür die «gallo-römischen» Theater eigentlich primär genutzt wur-den, wobei verschiedene, auf provinzialer Ebene anzusie-delnde Monumentalkomplexe offensichtlich eine Verbin-dung mit dem Kaiserkult nahe legen.Das Forschungsprojekt zu den römischen Theaterbau-ten im Stadtzentrum von  Augusta Raurica ermöglichte es, die Bedeutung und die Nutzung solcher Monumentalkom-plexe auf der Basis von konkreten Befunden vertiefter zu untersuchen 5 . Innerhalb des reichen Korpus der «gallo-rö-mischen» Theater bilden die Augster Bauten (in der Regel vereinfachend als «römisches Theater von  Augusta Rauri-ca » bezeichnet) seit jeher einen glücklichen Sonderfall, da hier eine singuläre Überlagerung mehrerer unterschiedli-cher «gallo-römischer» Theatertypen in Verbindung mit Das Theater als Ort für Menschen und Götter – eine Synthese Thomas Hufschmid 1  und Thomas Späth 2 1 Responsable des monuments, Site et musée romains Avenches (CH); Forschungsprojekt Römisches Theater Augst (CH); thomas.hufschmid@vd.ch; thomas.hufschmid@bluewin.ch 2 Dozent für Antike Kulturen und Antikekonstruk tion an der Uni-versität Bern; thomas.spaeth@cgs.unibe.ch 3 Beitrag von I. Nielsen in diesem Band, S. 81 ff. 4  Jean-Yves Marc hat unlängst in einem fundierten Artikel zurecht auf die historische Problematik des Begriffs «gallo-romain» (und folgerichtig dann auch die im Deutschen und Englischen verwen-deten Ausdrücke «gallo-römisch» und «gallo-roman») hingewie-sen. Im Verlauf des 19. Jahrhunderts als Produkt einer patriotisch-nationalistischen Weltanschauung und als Abgrenzung zu einer lateinischen und germanischen «Kulturzugehörigkeit» entstanden, wurzeln der Ausdruck und vor allem auch die damit zusammen-hängende Vereinnahmung der Gallier als französische Ahnen in einem politisch-ideologischen Umfeld, das stark den Vorstellun-gen von Volksgeist und Nationalismus verpflichtet ist (Marc 2014, 29 ff.).   Wir schlagen dennoch vor, an diesem wissenschaftlich etablierten Begriff festzuhalten und verwenden ihn zwischen Anführungszei-chen, mit denen wir uns vom nationalistischen Ballast seiner Ent-stehung distanzieren; unter «gallo-römisch» sei im Folgenden eine territorial-geografische Bezeichnung verstanden, die regional-rö-mische Erscheinungen innerhalb eines bestimmten Gebiets, das deutlich über Frankreich hinaus reicht, in einer einfachen Begriff-lichkeit zusammenfasst.  246 Thomas Hufschmid/Thomas Späth  Synthese 6 Beitrag von Th. Hufschmid in diesem Band, S. 175 ff. 7 Hufschmid 2009, 175 ff. 8 Liv. 2,37,9; vgl. dazu auch Scheid 1998, 91. 9 Suet. Dom. 4; vgl. zu den beiden genannten Textstellen ausserdem auch den Beitrag von J.-P. Thuillier in diesem Band, S. 13 ff. 10 Schleiermacher 1966; vgl. auch den Beitrag von I. Nielsen in die-sem Band, S. 81 ff. 11 Beiträge von D. L. Bomgardner und M. E. Fuchs in diesem Band, S. 63 ff.; 141 ff. sowie Rosso 2009; Ramallo Asensio 2009. 12 Vgl. die Wandmalerei in der Kryptoportikus der Villa von Mei-kirch/CH (Fuchs et al. 2004, 100 ff.), die Darstellung auf einem Tongefäss aus Sens-du-Nord (F) (Van Andringa 2000) oder die über-lieferten Dekrete von Gytheion/  Gythio (GR) und Ephesos (TR) (Fish-wick 1991, 552; Price 1984, 189), ausserdem auch die Beiträge von M. Cavalieri, Th. Hufschmid und S. Blin/J.-Y. Marc in diesem Band, S. 49 ff.; 175 ff.; 205 ff. 13 Beiträge von F. Dumasy, Ph. Bridel, Th. Hufschmid und P. Henrich in diesem Band, S. 117 ff.; 157 ff.; 175 ff.; 219 ff. mit religiösen oder kultischen Aktivitäten gekoppelt. Die für die römische Antike kennzeichnende enge Verknüp-fung von ritus, spectacula und religio hat auch dazu geführt, dass in gewissen Fällen für die Abhaltung von Spielen die Existenz eigentlicher «Kulttheater» postuliert wurde 10 ; da-rauf wird noch zurückzukommen sein. Fest steht in jedem Fall, dass so gut wie alle Theater eine «religiöse Grundaus-stattung» in vielfältiger Form aufweisen 11 . Oft finden sich mit Altären und Statuen ausgestattete Nischen, in der or-chestra positionierte Altäre und üppig dekorierte Bühnen-fassaden. Aber auch die Zahl der Bauten, in deren summa cavea ein kleines Heiligtum (sacellum) nach dem Vorbild des Pompeiustheaters eingefügt war, erweitert sich dank neuen Architekturstudien stetig. Hinzu kommt das Wissen um eine Vielzahl von Götterbildern, die im Theater selbst oder im Gelände um das Theater (und innerhalb des Hei-ligtums) fest installiert waren oder als transportable Versi-on in Form von Edelmetallbüsten existiert haben. Bedingt durch das wertvolle Material, aus dem Letztere gefertigt waren, bleibt das Korpus an Funden von transportablen imagines sehr beschränkt. Allerdings offenbart sich dank zunehmendem Interesse am Thema ihre offensichtlich recht häufige Existenz immer öfter auch in Bild- und Schrift-quellen 12 .Vor dem Hintergrund dieser aktuellen Forschungslage muss festgestellt werden, dass jegliche nutzungsorientierte Theaterstudie, die den Aspekt des Kultes nicht mitberück-sichtigt, am Kern des Themas vorbeiführt. Die im Rahmen des Kolloquiums behandelten Monumentalkomplexe zwin-gen uns also zu einem Wechsel der Optik, da Theaterbauten, die als Element von grösseren Sakralkomplexen entstan-den sind, zwingend mit ihrem baulichen Umfeld in einem funktionalen Kontext stehen müssen. Diese Erkenntnis hat in der Archäologie und Althistorie in jüngerer Zeit dazu ge-führt, dass das Forschungsinteresse sich zunehmend auch auf räumliche Dispositive und funktionale Aspekte kon-zentriert 13 . Wer die Interaktion der verschiedenen Bauwer-einem axial ausgerichteten Podiumtempel vorliegt 6 . Die Untersuchungen der letzten Jahre haben deutlich gezeigt, dass die Theaterbauten einen integralen Teil des aufgrund von Parallelen dem regionalen Kaiserkult zugewiesenen Hei-ligtums von Augst-Schönbühl darstellten 7 . Während der rund 200-jährigen Nutzungszeit des Heiligtums kam es zur mehrfachen Erneuerung der Theaterbauten, in deren Rah-men meist auch ein Bautypen- und, soweit die heutigen Kenntnisse der Architektur dies erschliessen lassen, ein Nut-zungswechsel stattfand. Welche Rolle spielten in diesem Zusammenhang aber die Theater bei der Nutzung des Hei-ligtums? Im Rahmen des Kolloquiums erfolgte der Versuch, die Nutzung und Funktion der aus Sakralbauten und Theatern bestehenden Monumentalkomplexe genauer einzukreisen, die regionalen Ausprägungen der Architektur zu erfassen und mögliche Erklärungsmuster zu diskutieren. Ein Vergleich mit anderen Bauwerken und die Erarbeitung von Model-len, wie sich kultische und politisch-religiöse Handlungen mit direktem Einbezug von Theaterbauten abgespielt ha-ben könnten, dienten dabei als Werkzeug, um sich den defi-nierten Fragen anzunähern. Die Ergebnisse der Abschluss-debatte des Kolloquiums, die wir im Folgenden vorlegen, führten zu ersten Antworten und auch zur Formulierung zukünftiger Forschungsschwerpunkte im Bereich der Thea-terbauten in den nordwestlichen Provinzen des römischen Reichs. Grundlegende Überlegungen zur Verbindung von Theater und Heiligtum Die Anbindung der Spiele an die göttliche Sphäre besass in der römischen Kultur eine weit zurückreichende Tradition und bereits Livius betont in Zusammenhang mit den ludi, dass es sich um einen «coetus hominum et deorum» han-delt 8 , also eine Art Zusammenkunft zwischen den Men-schen und den Göttern. Im Prinzipat wurde diese Bezie-hung im Rahmen des Kaiserkults weiterentwickelt, indem der  princeps, als Nachfahre vergöttlichter Kaiser, eine Mitt-lerfunktion zwischen der menschlichen und der göttlichen Sphäre einnahm, wobei er erst postum über die Apotheose tatsächlich in den göttlichen Bereich aufstieg. Im Kontext mit den Spielen wird diese Hierarchie durch eine Stelle bei Sueton deutlich illustriert, wo in Zusammenhang mit Do-mitians Einführung des certamen capitolinum berichtet wird, dass der Kaiser eine Krone mit Darstellung der Kapitolini-schen Trias trug, während auf den Kronen der anwesenden Priester nebst Bildern von Jupiter, Juno und Minerva auch ein Bildnis des Herrschers prangte 9 .Was bei Livius und Sueton deutlich anklingt, ist mitt-lerweile in der Forschung unbestritten: Die Spiele und da-mit auch die dazugehörenden Bauwerke (Theater, Amphi-theater, Circus) sind meist auf die eine oder andere Weise  Forschungen in Augst 50 Synthese 247 14 Beitrag von W. Spickermann in diesem Band, S. 37 ff. 15 Beitrag von I. Nielsen in diesem Band, S. 81 ff. 16 Vgl. dazu zusammenfassend Hufschmid 2011, 270 ff.; Hufschmid 2009, 266 ff. (dort mit stärkerem Fokus auf die Amphitheater und ihre Spiele). 17 Beitrag von S. Blin/J.-Y. Marc in diesem Band, S. 205 ff. 18 Streng genommen wäre zu überprüfen, inwiefern in gewissen Fäl-len nicht auch die Portikus ein theatron darstellte, da es sich auch hier oft um einen Ort handelte, von dem aus kultischen Handlun-gen beigewohnt wurde. Eine solche Lesung lässt sich u. E. für den Cigogniertempel von  Aventicum sehr gut aufzeigen, wo die den Hof begrenzenden Sitzstufen (das theatron ) direkt in die dahinter-liegende Pi-förmige Portikus übergingen (Bridel 1982, 44 f.; vgl. auch den Beitrag von Ph. Bridel in diesem Band, S. 157 ff.). Aller-dings ist auch ersichtlich, dass die Portiken je nach Zeitpunkt im kultischen Ablauf durchaus noch andere Aufgaben übernahmen und somit als hochgradig multifunktionales Element innerhalb des Heiligtums dienten. 19 Bridel 1982, 44 f.; 155; Tardy 2009, 183 ff.; vgl. auch den Beitrag von Ph. Bridel in diesem Band, S. 157 ff. ein Theater vorhanden sein musste. In gewissem Sinn kann der Theaterbau innerhalb eines Monumentalkomplexes als Teil der gebauten Infrastruktur betrachtet werden, die zum Funktionieren der gewünschten Kultabläufe beitrug; eine solche Aufgabe besassen auch andere Bestandteile eines Hei-ligtums, wie zum Beispiel Plätze für Opferriten, gesonderte Räume für spezielle Kulthandlungen oder Portiken, aber auch «profanere» Zonen wie Küchen oder Dienst- und Lagerräu-me 17 . Für den gemeinsam zelebrierten Kult und den Dienst an den Gottheiten hatten letztlich alle diese Einrichtungen eine Bedeutung, unabhängig davon, ob sie als Ort des Kultes selbst oder für dessen Vorbereitung dienten. In dem Sinn kann also das Theater als ein Element der «Infrastruktur» eines Heiligtums oder der sakralen Topografie einer Stadt gesehen werden. Diese Sichtweise spiegelt sich auch in einer semantischen Annäherung an den Begriff «theatrum», der dem griechischen θέατρον  , also dem «Ort zum Zuschauen», entlehnt ist. Strukturell (aber eben nicht semantisch) ent-spricht das theatron somit dem lateinischen Begriff cavea, der ebenfalls die Zone der Sitz- (und Steh-)Plätze bezeich-nete, von der aus einer Aktivität beigewohnt wurde 18 . Die Bezeichnung theatrum/theatron als  pars pro toto ist also erst sekundär entstanden. Unter dem Aspekt dieser Herleitung wird man dann auch andere Sitzstufenkonstruktionen in Heiligtümern, die dazu dienten, ein Publikum aufzunehmen, konsequenterweise als theatrum/theatron bezeichnen müssen. Mit dem Cigogniertempel von  Aventicum/  Avenches (CH) und dem Merkur tem pel vom Puy-de-Dôme (F) liegen im vom Kolloquium abgedeckten Gebiet denn auch zwei Orte vor, wo genau solche Dispositive innerhalb von Tempelanlagen gefunden und bei ihrer Bearbeitung auch im oben genann-ten Sinn interpretiert wurden 19 .ke innerhalb eines Heiligtums verstehen will, muss sich auch mit den Riten und den kultischen Abläufen sowie den damit einhergehenden Wegführungen und Parcours im Inneren des Sakralkomplexes auseinandersetzen. Ange-sichts der diesbezüglich meist dünnen Quellenlage und der Situation, dass die baulichen Befunde oft nicht mehr ausreichend erhalten sind, mag dabei vieles hypothetisch bleiben; für ein besseres Verständnis der antiken Praktiken sind solche Modelle allen Risiken zum Trotz aber unerläss-lich. Fazit der Schlussdiskussion Die Schlussdiskussion der Tagungsbeiträge liess fünf As-pekte erkennen, die als zentrale und verbindende Elemen-te der im vorliegenden Band präsentierten Einzelstudien gelten können. Aspekt 1 – das «Kulttheater» existiert nicht Angesichts der engen Verbindung der Theater mit den Heilig-tümern stellt sich die Frage, ob es in diesem Zusammenhang spezifische «Kulttheater» gegeben hat, die ausschliesslich für religiös motivierte Veranstaltungen verwendet wurden. Verschiedene Autorinnen und Autoren haben ein derartiges Konzept immer wieder bejaht und eine Unterscheidung zwischen profanen und religiösen Spielen postuliert. Die Vorträge und Diskussionen haben deutlich gezeigt, dass die Vorstellung eines ausschliesslich dem Kult vorbehalte-nen Theaters einer Überprüfung nicht standhält. Die Be-gründung hierfür hat Wolfgang Spickermann in der Schluss-diskussion in einem pointierten Satz zusammengefasst: «Es gab keine Kulttheater, weil es keine profanen Theater gab!». Das das Theater nur in religiösem Kontext funktionieren konnte, was in den Beiträgen dieses Bandes klar zum Aus-druck kommt, muss es immer an kultische Aktivitäten ge-bunden gewesen sein 14 . Deshalb erübrigt sich die Frage nach einem spezifisch für den Kult errichteten Theatertyp. Au-torinnen und Autoren, die den Begriff des «Kulttheaters» prägten, verfolgten das anerkennenswerte Ziel zu zeigen, dass es sich um ein Bauwerk handle, in dem Inszenierun-gen mit starkem religiösem Kontext stattgefunden hätten 15 . Beim heutigen Erkenntnisstand lässt sich jedoch feststel-len, dass die damit implizierte Trennung der Bauten und ihrer Verwendung in «profan» und «kultisch» – letztlich zwei Begriffe, die einem Kulturverständnis des 19. Jahrhun-derts entliehen sind – für die Antike nicht zutrifft. Auf ei-nen einfachen Nenner gebracht, kann man für die römi-sche Zeit postulieren: «Theater war Religion, war Politik» 16 .Auf die Architektur bezogen liesse sich dann festhalten, dass das Theater ohne Heiligtum eigentlich nicht funktio-nieren konnte, ohne dass aber daraus der Umkehrschluss abzuleiten wäre, dass in einem Heiligtum zwingend auch
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